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Seltene Demi-Parure des Biedermeier, Deutschland um 1850
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Description
Gleich drei ganze Seiten widmete der Katalog der Londoner Weltausstellung von 1851 den Schmuckerzeugnissen deutscher Juweliere – denn die Entwürfe brachten ein neues Formgefühl in die Welt des Schmucks. Sie zeigten Armreife, Broschen und Ohrgehänge, die in Form von sich windenden Ästen und Blättern ungewohnt naturalistisch gestaltet waren (vgl. unsere Abb. aus dem „Official descriptive and illustrated catalogue“ der Great Exhibition 1851, Bd. III, Tafel 153).
Dieser Schmuckstil, der in London der Welt präsentiert wurde, war in ganz Deutschland verbreitet – oder dem Raum, den wir heute als Deutschland kennen, denn damals waren die deutschen Staaten noch nicht vereint. Ihre Welt war vielmehr im politischen Umbruch, die voranschreitende Industrialisierung tat ein Übriges. Im Kontrast zum unsteten gesellschaftlichen und politischen Leben wandte man sich daher mit Begeisterung der Natur zu: Ein neuer Naturalismus prägte die Schmuckkunst, die Malerei, die Literatur. Gleichzeitig erstarkte das Bürgertum finanziell und konnte nun ausgesuchte Schmuckstücke nach der neuen Mode erwerben. Ein Muss war die Demi-Parure, denn sie kleidete zu beinahe jeder Gelegenheit.
Die vorliegende Demi-Parure ist ein typisches Beispiel für einen naturalistischen, bürgerlichen Schmuck der Jahrhundertmitte. Es handelt sich um ein Set aus Brosche und Ohrringen, die sich seltenerweise im Original-Etui erhalten hat. Reich strukturierte, ineinander verschlungene Äste bilden die Grundform der Entwürfe. Auf jedem Stück leuchtet eine Blüte, die aus grünen Glaspasten und Imitationsperlen komponiert ist. Jede smaragdgrüne Paste ist im Smaragdschliff von Hand geschliffen worden. Das Metall aus welchem die Stücke bestehen, wohl Tombak, wurde erst versilbert und anschließend vergoldet, sodass die Schmuckstücke besonders hell leuchten.
Ähnliche Entwürfe für deutsche Demi-Paruren der Zeit um 1850 sind abgebildet bei Brigitte Marquardt: Schmuck. Realismus und Historismus 1850–1895, München 1998, S. 62.
| Material: | Smaragdgrüne Glaspasten im Smaragdschliff, max. etwa 3,8 x 3,2 mm 19 Perlen (halbiert) und Imitationsperlen, max. 2,5 mm Durchmesser Metall (wohl Tombak), zuerst versilbert und dann vergoldet |
| Stempelungen: | Keine Punzen oder Stempel |
| Größe: | Die Brosche 3,2 x 3,7 cm Die Ohrringe inkl. Bügel je etwa 3,4 x 2,2 cm |
| Gewicht: | Zus. 17,2 g |
| Zustand: | Sehr gut, einige Perlen erneuert |
| Weiteres: | Das Set hat sich im originalen Etui erhalten |
| Zertifikat: | Lieferung mit Zertifikat |
| Objekt-Nr.: | 22-1242 |

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